Mein Kind- der tobende Zeckenmagnet

Kinder scheinen regelrechte Zeckenmagnete zu sein. Die gute Nachricht für Eltern- es liegt nicht am kindlichen Blut, denn Zecken sind dahingehend nicht wirklich wählerisch. Vielmehr spielen gerade Kinder am liebsten im Freien und kreuzen tobend die Jagdgebiete der Zecken. Dazu zählt der heimische Garten, saftige Wiesen mit hohem Gras, Waldränder oder Lichtungen und Uferflächen, von denen Kinder geradezu magisch angezogen werden.

Vorab: Ja, Zecken sind widerlich und können gefährliche Krankheiten übertragen. Aber nicht jeder Zeckenstich führt automatisch zur Erkrankung. Daher bleib ruhig, wenn Dein Kind eine Zecke mit nach Hause bringt. Bei umsichtiger Entfernung stehen die Chancen gut, dass der Stich ohne Folgen bleibt. Und für den Fall, dass Dein Kind einmal selbst eine Zecke an sich entdeckt, folgt es Deinem Vorbild und wird vermutlich nicht versuchen, diese panisch aus der Haut zu ziehen!

Welche Körperstellen sind bei Kindern von Zeckenstichen besonders betroffen?

Zecken lauern in einer Höhe von bis zu 1,5m auf einen Wirt. Dieser Wirt kann Nagetier, Hund, Reh oder eben ein spielendes Kind sein. Sobald das potentielle Opfer sie streift, krallt sie sich fest und begibt sich auf die Suche nach einer warmen, gut durchbluteten und dünnhäutigen Körperstelle. Aufgrund ihrer Größe werden Kinder im Vergleich zu Erwachsenen besonders oft am Kopfbereich oder in den Nacken gestochen (umgangssprachlich: gebissen), aber auch an den Kniekehlen, Achselhöhlen, dem Brust- und Bauchbereich oder dem Genitalbereich (bei Jungs) finden sich häufig Zeckenstiche.

Welche Krankheiten können durch Zecken übertragen werden?

Die bekanntesten durch Zecken übertragbare Krankheiten sind FSME und Borreliose.

FSME- Frühsommer-Meningoenzephalitis

Zu den häufigsten zählt FSME, die durch die im Speichel der Zecken enthaltenen FSME-Viren verursacht wird. Diese Viren befallen das zentrale Nervensystem.

Auf welche Symptome muss ich bei meinem Kind achten?

Bei jüngeren Kindern verläuft die FSME meist leichter als bei Erwachsenen. In den meisten Fällen treten grippeähnliche Symptome auf wie Fieber, Kopfschmerzen oder Unwohlsein. Nach 1-2 Wochen klingen diese jedoch wieder ab.

In seltenen Fällen (> 10% ) verläuft die Erkrankung jedoch in zwei Phasen. In der zweiten Phase treten nach einer kurzen, fieberfreien Zeit ernst zunehmende Symptome auf, wie z. B. Nackenstarre, Taubheitsgefühl, Erbrechen, Lähmungen, Krampfanfälle. Diese Symptome können auf Nervenentzündungen oder Gehirnhautentzündung hindeuten. Glücklicherweise kommt die Phase zwei bei jüngeren Kindern seltener vor als bei Erwachsenen und Jugendlichen.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko mit FSME?

Die Hauptrisikogebiete für FSME liegen in Süddeutschland. Dort tragen ca 0,1-5% der Zecken das FSME Virus in sich. Und selbst wenn infizierte Zecken Menschen stechen, erkranken davon nur ca. 1/3 der gestochenen tatsächlich an FSME Eine vom Robert Koch regelmäßig aktualisierte Übersicht der Hauptrisikogebiete findest Du hier.

Welche Behandlung gibt es für mein Kind?

Da es sich um einen Virus handelt, können bei FSME nur die Symptome medikamentös gelindert werden. Vorbeugend gibt es einen Impfstoff, allerdings ist dieses Thema sehr umfassend, so dass wir an dieser Stelle unbedingt empfehlen, das mit Kinderarzt zu besprechen.

Borreliose

Anderes als die FSME Infektion über den Speichel der Zecke findet die Übertragung der Borreliose Bakterien über den Darm statt.

Welche Symptome zeigt mein Kind bei einer Infektion mit Borrelien?

Bei Kindern treten die Symptome der Borreliose schneller und mit größerer Intensität auf als bei Erwachsenen. Oft sind diese Symptome leider unspezifisch, ähneln denen einer Grippe, häufig in Kombination mit Müdigkeit und einem Schwächegefühl in allen Muskeln.

Es ist völlig normal und im Regelfall harmlos, dass sich die Haut als direkte Folge eines Stiches verändert oder rötlich verfärbt. Sollte sich jedoch in einem Zeitraum von 3 Tagen bis zu mehreren Wochen eine kreisrunde Verfärbung der Haut um die Einstichstelle bilden, könnte es sich um die sogenannte Wanderröte (Erythema chronicum migrans) handeln. Diese Wanderröte hat einen Durchmesser von ca. 5 cm- 20 cm und verblasst zur Mitte hin wieder.

Leider kann das Erscheinungsbild der Wanderröte bei Kindern auch weniger klar abzugrenzen sein. Daher ist es wichtig, die Stelle genau zu beobachten und im Zweifel durch einen Bluttest beim Kinderarzt abzuklären.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko mit Borreliose?

Das Risiko einer Borrelioseinfektion besteht überall dort, wo es Zecken gibt. Daher ist die Borreliose die am häufigsten durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Europa. Es wird geschätzt, dass bis zu 30% der Zecken die Bakterien übertragen können.

Aber: In Deutschland infizieren sich maximal 6% der Gestochenen mit Borreliose. Interessant hierbei ist auch, dass Studien zufolge, viele Menschen Antikörper gegen Borrelien haben, ohne jemals die typischen Symptome entwickelt zu haben!

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für mein Kind?

Da die Borreliose eine bakterielle Erkrankung ist, schlägt eine Behandlung mit Antibiotika sehr gut an. Glücklicherweise haben gerade Kinder gute Chancen, ohne Langzeitschäden zu genesen. Daher solltest du beim Auftreten erster Symptome schnell handeln!

Was tun, wenn mein Kind eine Zecke hat?


Schnell handeln- aber: Aber bitte keine Hausmittelchen wie Alkohol, Nagellackentferner, Kleber oder sonstiges aus Omas Trickkiste!

Die Zecke entleert sonst die Krankheitserreger aus dem Darm direkt in die Wunde. Wie man Zecken korrekt entfernt, haben wir hier ausführlich beschrieben. Die Wunde NACH dem Entfernen desinfizieren und die Zecke fachgerecht entsorgen. In den folgenden Tagen und Wochen sollte dann regelmäßig die Stichstelle kontrolliert und auf mögliche Symptome im Anfangsstadium geachtet werden. Wenn Du unsicher bist, kontaktiere den Kinderarzt!

Was kann ich tun, um mein Kind vor Zeckenstichen zu schützen?

Natürlich ist es schwierig, Kinder vor Zecken zu schützen- man kann sie schließlich nicht einsperren und sie nur auf asphaltieren Wegen spielen lassen. Außerdem sind Zecken sind bereits ab Temperaturen von 7° dank der milden Winter beinahe ganzjährig aktiv! Aber es gibt trotzdem einige Maßnahmen, die dabei helfen, das Risiko zu reduzieren:

Vor dem Spielen im Freien ein chemiefreies Repellent auf die Haut auftragen. Idealerweise auf dem gesamten Körper und der Bekleidung. Wie schon erwähnt suchen Zeckenden den gesamten Körper bis zu 1h nach einer geeigneten Einstichstelle ab.
Nicht direkt nach Regenschauern zum Spielen nach draußen gehen, Zecken lieben Feuchtigkeit
In Risikogebieten Aufenthalt in hohem Gras oder Unterholz vermeiden
Den heimischen Rasen mähen und das Laub fachgerecht entsorgen (kein Komposthaufen)
Kinder sollten nach Möglichkeit lange, geschlossene Kleidung tragen (Socken über die Hosenbeine stülpen), festes Schuhwerk
Effektiver als eine Dusche ist akribisches Absuchen. Gerade bei Kindern ist eine gründliche Überprüfung des Kopfes wichtig, weil Zecken am Haaransatz schwer zu erkennen sind. Helle Kleidung erleichtert die Suche und die Zecken können häufig noch während ihrer Wanderschaft problemlos abgesammelt werden, bevor es zum Stich kommt.

Fazit: Liebe Eltern, leider gibt es keinen 100% Schutz vor Zeckenstichen. Aber durch Vorbeugung kann das Risiko für Kinder gemindert werden, ohne dass der Spaß darunter leidet!

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